Valentinstag, Umzugskartons und andere Missverständnisse
„An alle Männer da draußen: Für alle, die glauben, der Valentinstag ist nicht wichtig: Bei OBI gibt*s Umzugskartons im Gang 22.“
Zugegeben, ich musste neulich ziemlich lachen, als ich die Werbung gesehen habe. Nicht, weil ich tatsächlich vorhätte, meinen Freund am "day after" mitsamt Zahnbürste und Kabelsalat vor die Tür zu setzen. Sondern weil dieser Spot etwas sehr Treffendes hat: Der Valentinstag ist für viele ein einziges großes Missverständnis. Die einen halten ihn für eine amerikanische Erfindung der Grußkartenindustrie, andere für den ultimativen Liebes-TÜV. Und irgendwo dazwischen stehe ich: mit genug Bildung, um den Valentinstag kritisch zu hinterfragen – und gleichzeitig genau die Person, die bei einem wirklich schönen Blumenstrauß kurz innehält und denkt: Na gut. Ein bisschen großartig ist das schon.
Der Valentinstag, dieses merkwürdige Kulturgut
Natürlich weiß ich, dass man Liebe nicht auf den 14. Februar reduzieren kann. Wer das ganze Jahr über nicht merkt, dass ich mal einen schlechten Tag hatte, und dann nicht einfach mal meine Hand nimmt und mir meine Lieblingssuppe kocht, der wird auch mit ein paar roten Rosen keine Beziehung retten.
Und trotzdem: Ein Tag, der uns daran erinnert, jemandem eine Freude zu machen, ist vielleicht nicht die schlechteste kulturelle Errungenschaft. Schließlich feiern wir auch Geburtstage, obwohl wir wissen, dass das Altern ein kontinuierlicher Prozess ist.
Ein Strauß Blumen ist dabei eine bemerkenswert elegante Lösung. Er schreit nicht nach Aufmerksamkeit, er piept nicht, er braucht kein Updates und kein Ladekabel. Er steht einfach da und sieht gut aus.
Eine kleine Blumenkunde für Fortgeschrittene
Falls also jemand bei Gang 22 abbiegt und sich doch für die florale Variante entscheidet, hier eine kurze Orientierungshilfe:
Rosen – klassisch & zeitlos
Das große Liebesgedicht unter den Blumen. Ein bisschen Pathos, ein bisschen Drama, aber wenn sie gut gebunden werden, immer noch unschlagbar. Wie ein Klassiker, den man nie ganz aus der Mode bekommt.
Tulpen – die elegante Alternative
Die Tulpe sagt nicht „Ich sterbe für dich“, sondern eher: „Ich bring dir Kaffee ans Bett und diskutiere mit dir über Ausstellungen.“ Modern, klar, sympathisch – die perfekte Wahl für Paare mit Sinn für Alltagstauglichkeit.
Ranunkeln – romantisch mit Stil
Zart, vielschichtig und ein bisschen geheimnisvoll. Ranunkeln wirken, als hätten sie ein Literaturstudium hinter sich. Sie sagen: „Ich finde dich faszinierend“, ohne dabei zu übertreiben.
Gerbera – die fröhliche Optimistin
Die Optimistin im Strauß – fröhlich, offen, unkompliziert. Sie steht für Menschen, die lieber gemeinsam lachen als große Szenen inszenieren.
Valentinstag ohne Kitsch – geht das?
Was ich am Valentinstag eigentlich mag, ist Schlichtheit. Es geht nicht um den perfekten Abend, nicht um Instagram-taugliche Candle-Light-Dinner und auch nicht um überdimensionierte kitschige Teddybären.
Manchmal reicht eine einzelne Blume auf dem Küchentisch. Vielleicht mit einer etwas schiefen Schleife. Vielleicht kommentarlos hingestellt. Diese kleinen unaufgeregten Gesten sagen – ja auch an diesem Tag: Ich hab’ an dich gedacht. Und das ist, wenn wir ehrlich sind, oft mehr wert als jedes perfekt geplante Event.
Der entscheidende Unterschied: Fachfrau statt Tanke
Zwischen einem Tankstellenstrauß und einem liebevoll gebundenen Bouquet von der Floristin liegen Welten. Gute Blumen werden komponiert – Farben, Formen, Düfte: Alles folgt einer Idee.
Bei Flowerworks entstehen Sträuße, die nicht nach Pflichtprogramm aussehen, sondern nach echter Aufmerksamkeit. Für Romantiker, Ironiker, Langzeitpaare, frisch Verliebte und alle, die am 14. Februar lieber einen guten Eindruck hinterlassen als ein verzweifelter Last-Minute-Pflichtstrauß von der Tanke.
Und die Sache mit den Umzugskartons
Natürlich ist die OBI-Werbung lustig. Und natürlich muss niemand seine Kartons packen, wenn er den amerikanischen Hype-Tag vergisst. Beziehungen sind schließlich komplexer als Baumarktlogik.
Aber sie erinnert uns an etwas sehr Einfaches: Aufmerksamkeit zählt. Und manchmal beginnt sie mit einer kleinen Geste.
Man kann über den Valentinstag lächeln. Man kann ihn ironisch kommentieren. Aber man kann ihn auch nutzen, um jemandem eine Freude zu machen. Und das ist, bei aller akademischen Distanz, eigentlich eine ziemlich gute Idee.